Sorgenkind Tourismus: Reisetourismus in Südtirol "verhalten"

Andreas Inama
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Der Tourismus war während Corona und ist nach Corona ein Sorgenkind der Südtiroler Wirtschaft. Schon während der Pandemie machten sich die Sorgen breit, ob der Tourismus überhaupt anziehen wird und ob Reisende ihren Weg nach Südtirol finden. Nachdem letztendlich Beherbergungsbetriebe am 25. Mai wieder ihre Pforten öffnen durften, dürfte viele Hoteliers und Gastwirten zunächst ein Stein vom Herzen gefallen sein. Zu keiner Zeit gab es die Garantie, dass die Betriebe im Sommer aufsperren könnten. Und mit Blick auf die aktuelle Situation vieler anderer Teile der Welt waren diese Zweifel gerechtfertigt.

HGV mit besorgtem Zwischenfazit

Da wir nun doch unsere Grenze öffnen durften, stellt sich die Frage nach dem ersten Fazit. Wurden die kleinen Erwartungen an eine eh schon dürftig prognostizierte Sommersaison erfüllt? Laut Manfred Pinzger, Präsident des HGV, mitnichten, wie er Alto Adige Innovazione bestätigt: „Es war schlimmer als erwartet und die Krise ist leider noch nicht vorbei. Die Corona-Pandemie hat den Tourismus besonders hart getroffen. Durch das vorzeitige Ende der Wintersaison und den späten Start der Sommersaison waren die Betriebe mit massiven Umsatzeinbrüchen konfrontiert.“ Laut WIFO – Wirtschaftsbarometer der Handelskammer Bozen verzeichnete man im Mai Einbrüche bis zu 70 %. Zwar dürfte diese Quote in den nächsten Monaten wieder wesentlich sinken, nichtsdestotrotz hoffe man auf, so Pinzger, „eine gute Herbstsaison“.

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Dennoch sieht Pinzger in den kommenden Monaten eine schwierige Zeit auf die Branche zukommen. Die Beherbergungsbetriebe haben erst seit wenigen Wochen geöffnet. Einige haben sogar den Stichtag im Mai verstreichen lassen und, wenn überhaupt, erst Mitte Juni wieder geöffnet. Da bis vor eineinhalb Monaten nicht klar war, ob die Grenzen zu Österreich überhaupt öffnen, entwickle sich die Buchungslage laut Pinzger momentan noch verhalten. Und gerade diesbezüglich spaltet sich das Land.

Das Ost-West-Gefälle

Den es herrscht ein Ost-West-Gefälle vor. Während der Osten mittlerweile eine den Umständen entsprechend positive Entwicklung zeichnen kann, befindet sich der Tourismus im Westen Südtirols immer noch im Leerlauf. „Gebiete, die rationell stärker mit dem deutschen und dem Schweizer Gast arbeiten, tun sich noch schwerer. Auch der internationale Gast fehlt.“ Gerade in Deutschland steht der Urlaub im eigenen Land hoch im Kurs, zum Leidwesen der Wirte im Westen. Der Osten hingegen genieße große Beliebtheit bei italienischen Touristen, die wiederum durch den Bonus Vacanze der Regierung ihren Urlaub in Südtirol verbringen, wie eine Hotelierin, die nicht namentlich genannt werden will, ergänzend hinzufügt.

Tatsächlich finden sich auch Gastbetriebe, bei denen die Erwartungen sogar übertroffen wurden, wie zum Beispiel bei der eben genannten Hotelierin: „Wir hatten mit einer Auslastung von 50 % im Sommer gerechnet. Nun hatten wir schon Wochen, an denen wir komplett ausgebucht waren. Mittlerweile rechnen wir mit einer Auslastung von 70 %. Was besonders auffällt, ist das viele ihren Urlaub sehr spontan planen.“ Außerdem scheine es, dass jüngere Klientel reisefreudiger sei als die älteren Generationen, was der HGV aber nicht pauschal bestätigen will.

Arbeitsmarkt verbessert sich langsam

Ein weiterer Trend zeigt auf, dass die Ferienhotellerie gegenüber der Städtehotellerie einen Vorsprung hat. Während die Gäste gerne in den Bergen sind und sich auf dem Land aufhalten, sieht die Buchungssituation in den größeren Städten Meran und Bozen auch laut dem HGV-Präsidenten nicht vielversprechend aus: „Es kann generell nicht so gesagt werden, die Buchungslage unterscheidet sich stark nach Gebieten. Es scheint aber tatsächlich so, dass in den Städten Bozen und Meran die Auslastung momentan nicht dem entspricht, was wir uns erhoffen.“

Zu guter Letzt darf natürlich auch nicht der Arbeitsmarkt vergessen werden. Gerade die Gastronomie verzeichnet coronabedingt einen gewaltigen Rückgang an Arbeitnehmern, nachdem man noch im Jahr davor in Sachen Arbeitsplätze einen erfreulichen Meilenstein erreicht hatte: „Der Tourismus war im August 2019 erstmals der größte private Arbeitgeber Südtirols. Mehr als 35.000 Personen sind in ‘normalen’ Zeiten in diesem Sektor beschäftigt (Stand August 2019: 38.500). Zwischen April und Juni 2020 sind mehr als 12.000 Arbeitsplätze im Tourismus verloren gegangen und im Moment sind rund 70 Prozent der Saisonstellen im Gastgewerbe wiederbesetzt. Die Arbeitsmarktbeobachtung der Landesabteilung Arbeit zeigt in ihrer jüngsten Publikation auf, dass die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Arbeitsplätze im Tourismus je nach Gebiet sehr unterschiedlich ausfallen.“

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