Muren bei Baustelle der "König Laurin"-Kabinenbahn am Rosengarten - AVS "erschrocken"

Andreas Inama
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Letzte Woche sind in unmittelbarer Nähe zur Baustelle für die neue Kabinenbahn „König Laurin“ am Rosengarten binnen zwei Tagen zwei Muren abgegangen – die Umweltschutzverbände und der Alpenverein Südtirol (AVS) zeigen sich betroffen. „Wenn man so etwas hört, bekommt man natürlich einen Schreck. Es ist ein sensibles Gebiet und das war keine kleine Mure“, erklärt Anna Pichler vom Referat Natur & Umwelt des AVS Alto Adige Innovazione.

28 Auflagen nach Sammelgenehmigung

Seit Anfang Juni werden beim Rosengarten Massen bewegt und ausgehoben. Am Ende der Bauarbeiten soll eine unterirdische Bergstation und die neue Kabinenbahn entstehen, für die allein 6.300 Kubikmeter Material auf einer Meereshöhe von 2.300 m ausgehoben werden müssen. Ein Unterfangen beträchtlichen Ausmaßes, insbesondere mit Blick auf den Eingriff in die Umwelt, zumal letztendlich bis zu 1.800 Personen pro Stunde zur Bergstation befördert werden können.

Das Gebiet um den Rosengarten gilt als sehr sensibel. Daher waren schon zu Beginn, als das Projekt vorgestellt wurde, Zweifel aufgekommen. In der Tat musste nachjustiert werden: Durch ein Sammelgenehmigungsverfahren mit bindendem Gutachten wurde die Reduktion der Förderleistung von ursprünglich 2.400 p/h auf 1.800 herabgesetzt. Außerdem wurden dem Bauherren 28 Auflagen auferlegt, um das fragile Ökosystem nicht allzu sehr in Mitleidenschaft zu ziehen. Eine Tatsache, die besonders beim AVS Erstaunen ausgelöst hat.

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Warum keine Umweltverträglichkeitsprüfung

„Bei einem Projekt dieser Tragweite und solchen Auflagen ist es verwunderlich, dass keine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt wurde. Wir wollen nicht behaupten, dass die Baustelle an den Muren schuld ist. Jedoch zeigt sich so, wie fragil das Gebiet dort ist. Bei einem so tiefgreifenden Eingriff in die Umwelt, der durch die ganzen Auflagen in der Sammelgenehmigung unterstrichen wird, wäre solch eine Prüfung angebracht gewesen, um eventuelle Risiken besser einzuschätzen“, führt Pichler weiter aus.

„Allein diese hohe Anzahl von Auflagen zeugt davon, dass es sich hier um ein Projekt mit erheblichen Umweltauswirkungen handelt“, meint auch AVS-Präsident Georg Simeoni. Der AVS hatte schon Anfang 2019 über einen Brief an Landeshauptmann Arno Kompatscher, Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider und der Landesrätin für Raumordnung und Landschaftsschutz Maria Hochgruber Kuenzer das eigene Unverständnis hinsichtlich der nicht vorgesehenen UVP ausgedrückt.

Bei einer Umweltverträglichkeitsprüfung hätten mehrere Institutionen Zugriff auf die Ergebnisse gehabt, wodurch bei Auffälligkeiten interveniert hätte werden können. Bei einer Sammelgenehmigung sind den Vereinen wie dem AVS oder dem Club Alpino Italiano (CAI) die Hände gebunden und keine Stellungnahme zu den Ergebnissen möglich.

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