hds und Wirtschaftsnetz gegen die Anordnung des Bürgermeisters

Andreas Inama
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Bis 14. Juni soll die zunächst als Experiment eingeführte Anordnung des Bürgermeisters anhalten: Bis nächsten Sonntag soll der Konsum von Getränken und Speisen am Freitag, Samstag und einschließlich Sonntag auf öffentlichen Flächen ab 20 Uhr bis 2 Uhr des darauffolgenden Tages verboten bleiben. Damit will der Bozner Bürgermeister Renzo Caramaschi der Bildung von Menschenansammlungen vorbeugen. Doch die Wirtschaft, allen voran hds und Wirtschaftsnetz, will nicht mitziehen und schlägt alternative Lösungswege vor.

Das lange Pfingstwochenende wurde als Testphase angesehen, in der die viel diskutierte und kritisierte Anordnung von Caramaschi in Kraft getreten ist. Dabei wurden schon damals erste Proteste laut. Besonders die Lokalbetreiber fühlten sich in die Enge getrieben und angegriffen, sorgt das Verbot doch nicht nur für rückläufige Besucherzahlen, sondern auch für Angst, in einer unkontrollierbaren Situation gestraft zu werden.

“Unheimlicher Druck” auf Gastwirte”

„Die Lokale sollten nur eine informierende Rolle gegenüber den Gästen einnehmen. Doch die Einsatzkräfte haben das so interpretiert, dass die Lokalbetreiber kontrollieren sollten“, erklärt Diego Bernardi, Vertreter der Gastronomen des hds, „wir leben in der ständigen Angst, Strafen zu kassieren, es lastet ein unheimlicher Druck auf jeden Wirt.“

Nichtsdestotrotz scheint die Regelung ihre Wirkung gezeigt zu haben, hat es doch am vergangenen Wochenende weniger Beschwerden wegen unerlaubter Menschenansammlungen gegeben. Das kann aber nicht davon ablenken, dass die Anordnung nicht nur etwas aus der Zeit gefallen ist, sondern das Problem an sich gar nicht löst, aber einfach nur verschiebt, und zudem für sozialen Zündstoff sorgt, wie Claudio Corrarati vom Wirtschaftsnetz deutlich hervorhebt: „Diese Regelung straft die Lokale, löst aber das Problem nicht. Im Falle der Bozner ‚Movida‘ wird es einfach verschoben. Und zwar an Orte, an denen es sich nicht kontrollieren lässt.“

Sensibilisierungskampagne für die Bevölkerung

Wie schon kurz vor dem Erlass der Anordnung in den Raum geworfen, fordert auch das Wirtschaftsnetz alternative Lösungen. Lösungen, die die vom Lockdown gebeutelten Lokalbetreiber unterstützen, aber gleichzeitig zur Einhaltung der Vorsichtsmaßnahmen vor allem von Seiten der jungen Menschen motivieren. Ein Vorschlag wäre eine Informationskampagne zur nachhaltigen Sensibilisierung der Bevölkerung. „Wir müssen den Zusammenhalt der Bürger fördern und nicht die Wirtschaft strafen“, führt Corrarati aus, „wir müssen auf Kommunikation über alle Kanäle setzen, besonders über jene, die von den jungen Menschen genutzt werden und aufklären, wie wichtig die Hygienemaßnahmen sind.“

Dabei will der Verband auf Zusammenarbeit setzen: Arbeitsgruppen mit der Gemeinde, in denen Lösungen ausgearbeitet werden, deren Wirksamkeit regelmäßig unter die Lupe genommen wird. „Wir müssen an den gesunden Menschenverstand der Bevölkerung appellieren, um aus dieser wirtschaftlichen und sozialen Krise gemeinsam herauszukommen. So kann auch eventuellen Spannungen vorgebeugt werden“, unterstreicht Corrarati zum Schluss nochmal.

Caramaschi kritikresistent?

Es wird sich zeigen, ob sich Bürgermeister Caramschi zum Dialog mit der Wirtschaft bereit erklärt. Bisher hat er seine restriktive Linie vollends durchgezogen und ist kaum auf Impulse und Vorschläge von außen eingegangen. Doch diese Krise kann nicht nur durch eine Reihe von Verboten überwunden werden – besonders unter Anbetracht dessen, dass die Ausnahmesituation noch längere Zeit unseren Alltag begleiten wird.

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