BASIS Vinschgau Venosta: Der bescheidene "Social Activation Hub"

Andreas Inama
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Über vier Hektar erstreckt sich die Drusus-Kaserne inmitten des Vinschger Hauptortes Schlanders. Ein Relikt aus faschistischer Zeit, das 1937 gebaut wurde und zu Hochzeiten 1.200 Soldaten eine Unterkunft bot. Doch wie bei so vielen Militärarealen in Südtirol, so gab man auch den Standort Schlanders in den 90er-Jahren auf und die Kaserne begann ein tristes Dasein als Ruine.

Erst in der Mitte der 00er-Jahre nahm der ehemalige Landeshauptmann Luis Durnwalder Gespräche mit der Regierung auf, um unter anderem eine Weiternutzung des Areals zu besprechen. Und weitere zehn Jahre, genau gesagt im Jahr 2015, wurden erste Ideen vorgelegt, was zumindest aus einem Teil des Baus werden sollte: ein Kultur-, Bildungs- und Wirtschaftszentrum, um die Region Vinschgau aufzuwerten.

Keine vier Jahre sollte es dauern, bis aus einer Idee vollendete Tatsachen entstanden. 2019 wurde in Schlanders die BASIS Vinschgau Venosta in einem der vier Gebäude der Kaserne, dem Palazzina Servizi, eingerichtet und eröffnet.

Bescheiden und unaufdringlich

Während mit dem NOI Techpark in Bozen und nun auch einem Ableger in Bruneck zwei Prestigeprojekte des Landes entstanden bzw. entstehen, die sich einer regen politischen und besonders medialen Aufmerksamkeit erfreuen können, so läuft die BASIS in der Südtiroler Aufmerksamkeit noch unter dem Radar.

Doch es erscheint auch nicht das Ziel der Macher hinter dem Zentrum zu sein, sich großartig in den Vordergrund zu spielen. So romantisch der spartanisch anmutende Bau, so gewollt unaufdringlich die passende Einrichtung, so bescheiden geben sich die Menschen hinter der BASIS. „Die Basis ist ein öffentlicher Ort für Arbeit, kreative Entfaltung und Verwirklichung. Ein Ort, an dem sich Unternehmer, Experten, Schüler, aber auch die Gemeinschaft treffen können und globale Trends erlernen“, erzählt Carina Matscher, die Kommunikationsverantwortliche der BASIS.

BASIS: Vinschgau wirtschaftlich und kulturell aufwerten

Dieser Ort soll nicht ein Symbol technologischer Innovation, sozusagen das Silicon Valley Südtirols werden, wie unter noch vorgehaltener Hand über die alten Aluminiumwerke in Bozen gesprochen wird. Die BASIS soll ein Anlaufpunkt für Kreative, für Träumer, aber auch für Macher werden, um im gegenseitigen Austausch die Region Vinschgau wirtschaftlich und kulturell aufzuwerten. „Wir sind nicht wie NOI, Technik ist nicht unser Kernthema. Unsere Anliegen betreffen Bildung, Wirtschaft und Kultur. Wir wollen den Vinschgern einen Ort bieten, an dem ihnen Innovation und Technologie zwar nähergebracht werden; aber wir wollen besonders die kleineren Betriebe etwas aufwecken und ihnen diese Welt näherbringen. Wir sind aber kein Inkubator, obwohl Start-ups natürlich willkommen sind“, führt Matscher weiter aus.

Und diese Mission untermauert man mit einem breiten Angebot an Dienstleistungen, das sich an die lokale – aber natürlich auch auswärtige – Unternehmer- und Kulturlandschaft richtet. Beratung, Coaching, Mentoring, Event-Organisation, Hilfe beim Ansuchen finanzieller Unterstützung: Das Spektrum an Services lässt sich sehen. Zudem befinden sich in der BASIS auch einer von vier Standorten des Südtiroler Co-Workings Startbase, wo zu erschwinglichen Preisen Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt werden. „Hat jemand ein Problem oder eine Idee, will man ein Event organisieren oder benötigt man Geld, um die eigenen Pläne umzusetzen: Wir stellen unser Know-how und unser Netzwerk zur Verfügung. Jeder kann sich an uns wenden. Wir können Partner vermitteln und wenn jemand gerne irgendeinen Service oder Forschungsunterstützung braucht, dann suchen wir den Kontakt und stellen ihn auch her.“

Das Standortproblem

Nun wäre es vermessen, zu behaupten, im Vinschgau hätte man den Anschluss verloren und es bedürfe einer Einrichtung, um dem Tal das Hier und Jetzt näherzubringen. Nichtsdestotrotz leidet der Standort unter der Positionierung, die man innerhalb der Grenzen Südtirols hat. Die Hauptstadt Bozen liegt von Schlanders bei guten Verkehrsverhältnissen eine Autostunde entfernt. Und auch touristisch ist die Region nicht so gut erschlossen, wie es andererseits der Osten des Landes ist.

So soll die BASIS als Referenzpunkt dienen, um beim Aufkommen einer Idee oder eines Projektes sofort einen Ansprechpartner in unmittelbarer Nähe zu haben. Und spricht man nicht aus lokaler Sicht, sondern gar aus internationaler, bietet der Vinschgau sogar einen Standortvorteil, den so nur wenige in ganz Norditalien bieten können, wie Matscher hervorhebt: „Durch die Nähe zu Österreich und der Schweiz kann man doch die Fühler ausstrecken. So können wir Unternehmen ein breites Angebot an Kontakten sowohl lokaler als auch ausländischer Partner zur Verfügung stellen“.

Zahlreiche Partner für ein essenzielles Projekt

Darunter zählen auf lokaler Ebene NOI Techpark, die Landesverwaltung, IDM Südtirol, das ASTRA Kulturzentrum Brixen, der Ost West Klub Meran, die Freie Universität Bozen; auf nationaler und internationaler Ebene das Muliti.me in Mantua und Co-Workinghubs in England und Deutschland. Außerdem arbeitet man auch mit der ETH Zürich und der Donau-Universität Krems an einem dualen Bildungskonzept zusammen.

Ein ambitioniertes Projekt mit einer stark sozialen Komponente, wie auch die offizielle Bezeichnung „Social Activation Hub“ hervorhebt. Und zudem ein essenzielles Projekt, das eine in der Öffentlichkeit unterschätzte Region auf dem Pfad innovativer Entwicklung begleitet.

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