Raiffeisen mit gutem Geschäftsjahr 2019 - Obstsektor strauchelt

Andreas Inama
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Ein neues institutsbezogenes Sicherheitssystem, ein neues Organisationsmodell, ein zu den Akten gelegtes Verfahren und ein in der Summe gutes Geschäftsjahr 2019. In Stichworten lässt sich so der Ausgang der Jahresvollversammlung des Raiffeisenverbands Südtirol zusammenfassen. Diese wurde nämlich heute im Raiffeisenhaus Bozen abgehalten, den Umständen um Covid-19 entsprechend aber über Videokonferenz gestreamt.

„Für den Raiffeisenverband war das Geschäftsjahr 2019 ein ereignisreiches und wegweisendes Jahr. Wir konnten den begonnenen strategischen Erneuerungs- und Veränderungsprozess erfolgreich fortsetzen“, fasste Verbandsobmann Herbert Von Leon die Situation treffend zusammen.

Ein neues IPS

Aber Rollen wir das Feld von hinten auf. Zunächst konnte auf der Vollversammlung verkündet werden, dass man zwei wichtige Schritte bei der Verwirklichung des oben genannten institutsbezogenen Sicherungssystems (IPS) tätigen konnte. Durch die Gründung des Raiffeisen Südtirol IPS konnte der Raiffeisenverband ihren Status als Genossenschaft weitgehend festigen. Dabei wird darauf verwiesen, dass man gerade so weiterhin eine unternehmerische Autonomie der Raiffeisenkasse wahren konnte. Zwar wurde der Antrag erst eingereicht und muss noch bestätigt werden, doch erwartet man sich eine positive Antwort der Banca d’Italia noch diesen Herbst.

Verwirklichung eines neuen Organisationsmodells

Des Weiteren hat man auch dieses Jahr an der organisatorischen Umstrukturierung des Raiffeisenverbands feilen. Ein neues Organisationsmodell sollte her, um damit eine „verstärkte Mitglieder- und Kundenorientierung“ zu gewährleisten, wie Generaldirektor Paul Gasser bei seinem Beitrag betonte. Konkret wies man dabei auf den neuen Bereich „Mitgliederbetreuung“ hin, der als Anlaufstelle für die Mitglieder und deren Anliegen dienen soll; und „Schutz und Förderung des Genossenschaftswesens“, was unmittelbar mit dem IPS zusammenhängt und demnach auch für eine Stärkung des Genossenschaftswesens dienen soll.

Auch bei Raiffeisen Informationssystem (RIS) hat sich einiges getan. Mit der Gründung der Raiffeisen Information Konsortialgesellschaft m.b.H. konnte RIS ausgelagert werden, sodass die Hauptabteilung für IT nun in Betriebspacht geführt wird. Damit verspricht man sich in der Raiffeisenstraße mehr Einfluss bei der Entwicklung der eigenen Informationstechnik.

Besonders hervorgehoben wurde im Rahmen der Ankündigungen zum Organisationsmodell die Gründung der ersten Schülergenossenschaft Südtirols, die auf den vergangenen November zurückgeht.

Aus rechtlicher Sicht heißt es hingegen durchatmen: Seit einigen Jahren hängte der Raiffeisenverband in einem Verfahren fest. Der Vorwurf war nichts Geringeres als Kartellbildung. Doch nun hat der Staatsrat in letzter Instanz bestätigt, dass dies nicht zutrifft.

Kellereien zufrieden – Obstgenossenschaften mit Preiseinbruch

Ein deutliches Plus gegenüber den Jahren zuvor konnte das Geschäftsjahr 2019 in Sachen Rechnungsüberschuss verzeichnen. Die Raiffeisenkassen weisen zusammen mit der Raiffeisenlandesbank nämlich einen Rechnungsüberschuss von 145 Millionen Euro auf. Die direkten Kundeneinlagen stiegen um 5,17 % auf 12,41 Milliarden Euro, die ausgereichten Kredite stiegen um 4,88 % auf 10,18 Milliarden Euro. Insgesamt halten die Raiffeisenkassen bei den Einlagen und Krediten in Südtirol einen Marktanteil von jeweils etwa rund 50 %.

Bei den landwirtschaftlichen Genossenschaften zeichnet sich ein äußerst unausgeglichenes Bild ab: Kellereigenossenschaften können zufrieden auf 2019 zurückblicken. Mit 83,52 Millionen Euro konnte den 3.301 Mitgliedern für die Ernte 2018 um 19,1 % mehr ausbezahlt werden als im Jahr zuvor.
Auch die Molkereigenossenschaften haben ein solides Jahr hinter sich gebracht. Fast 100 % der heimischen Milchproduktion läuft über die Genossenschaften des Raiffeisenverbands, pro Kilo Milch wurde im Schnitt knapp 51,4 Cent ohne Mehrwertsteuer ausbezahlt (+0,5 %). Insgesamt erhielten die Milchbauern 213,2 Millionen Euro ausbezahlt.
Hart getroffen hat es hingegen die Obstgenossenschaften. Aufgrund zu hohen Angebots und entsprechend niedrigen Preisen mussten die Mitglieder hohe Einbußen hinnehmen: Die 6.074 Mitglieder erhielten für die Ernte 2018 insgesamt 320,4 Mio. Euro (ohne MwSt.) und damit 40,4 % weniger ausbezahlt wie im Jahr zuvor. Im Schnitt sanken die Auszahlungspreise je Kilogramm Obst und Gemüse im Vergleich zum Vorjahr um 45,6 %.

Energiegenossenschaften immer wichtiger

Die Energiegenossenschaften scheinen hingegen immer wichtiger für den Verband zu werden. Ende 2019 zählte der Raiffeisenverband 54 Energiegenossenschaften mit 18.780 Mitgliedern. Das sind 26 E-Werk-Genossenschaften, 21 Fernheizwerk- Genossenschaften und 7 Bio-Gasgenossenschaften. Insgesamt belieferten die Energiegenossenschaften im Jahr 2019 33.554 Kunden mit Strom und Wärme. Die erzeugte Strommenge aus Wasserkraft und die gelieferte Wärmemenge der Fernheizwerke konnte weiter erhöht werden. Die E-Werk-Genossenschaften produzierten im Vorjahr 249,8 Gigawattstunden Strom (+1,1 %). Die Fernheizwerk-Genossenschaften produzierten 394,2 Gigawattstunden an thermischer Energie (+5,0 %).

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