CatchSolve-Gründer Davide Montesin: "Start-upper zu sein ist ein kalkuliertes Risiko"

Andreas Inama
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Davide Montesin ist Softwareentwickler und ist es gefühlt sein ganzes Leben lang. Vor drei Jahren hat der selbstständige Programmierer seine Monitoring-Software CatchSolve geschrieben, um sich und der Welt der Informatik eines leidigen Problems zu entledigen: Bugs, also Fehler in einem Programm, die es blockieren oder zum Absturz bringen. Die Idee bringt einige innovative Aspekte mit sich, die Entwicklern Zeit und Geld ersparen, daher auch die Aufnahme seines Start-ups ins Inkubationsprogramm von NOI Techpark im Sommer 2020. Im Interview spricht Davide Montesin über sein Produkt, seine Ziele damit und darüber, wieso er sich mit 49 gerade im richtigen Alter befindet, um ein Start-up zu gründen.

Herr Montesin, mit Verlaub: Sie gehören bei den Start-uppern eher zu einer älteren Generation. Normalerweise stellt man sich darunter junge Menschen vor, die in ihrem Leben noch nicht viel zu verlieren haben oder zum Beispiel keine Familie ernähren müssen. Das etwas romantisierte Bild eines Start-uppers setzt eine nicht allzu rosige finanzielle Lage voraus. Sie haben Familie und hatten auch schon ein eigenes Business. Wie trifft man in Ihrer Lebenslage die Entscheidung, so ein Risiko einzugehen und ein Start-up zu gründen?

Davide Montesin: “Vielleicht bin ich noch etwas naiv. (lacht) Ich glaube, das hängt sehr viel vom Charakter einer Person ab, weniger vom Alter. Das Abenteuer kann in jedem Lebensabschnitt reizen. Aber natürlich darf man seinen Pragmatismus nicht verlieren, schon gar nicht, wenn man wie ich eine Familie hat. Dazu wird zu Beginn der Businessplan erstellt. Dieser sollte aufzeigen, wie und ob man damit Geld verdienen kann und wie lange das dauert. Es sind zahlreiche Überlegungen, die man beim Schreiben des Plans anstrengen muss. Letztendlich entsteht dabei aber ein kalkuliertes Risiko. Man weiß im Großen und Ganzen, worauf man sich einlässt. Daraus erkennt man, ob es sich mit der persönlichen Lebenssituation vereinbaren lässt. Das müssen aber auch jüngere Menschen bedenken. In meinem Fall funktioniert das finanziell und zeitlich einwandfrei. Ich habe gegenüber jungen Start-uppern, zum Beispiel Studierenden, sogar einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: Ich habe eine Einkommensquelle und ich habe bereits langjährige Arbeitserfahrung.”

Daher auch die Idee für Ihre Software. Wofür wird die Software CatchSolve verwendet?

“Wir bieten einen Service an, der Websites und Apps durchgehend überwacht und auf Fehlfunktionen kontrolliert. So können etwaige Probleme sofort erfasst werden und dem Kunden mitgeteilt werden. Sie können die Berichte über ein Dashboard einsehen und mit unserer Hilfe die Fehler beheben.”

Geschieht das auf automatisiertem Wege oder müssen die Fehler nach wie vor händisch behoben werden

“Ganz automatisiert läuft es nicht ab, denn eine komplett automatisierte Lösung existiert nicht. Da kommen wir ins Spiel und überprüfen, wo Bugs auftreten. Es besteht daraufhin die Möglichkeit, unserem Kunden sofort Lösungsvorschläge zur Verfügung zu stellen. Dafür muss das Programm Datenbanken oder Foren durchsuchen, wo diese Fehlfunktionen schon diskutiert wurden, sodass ein möglicher Lösungsweg bereitgestellt werden kann. Eine weitere Möglichkeit ist die direkte Beratung durch Experten, die sich mit der jeweiligen Problematik auskennen und so unmittelbar helfen können.”

Aber wie werden die Fehler ausgemacht? Durchforstet die Software den Code der jeweiligen Website oder App? Wie kann man sich das vorstellen?

“Nein, es wird nicht der Code nach Fehlern durchsucht. Unsere Software protokolliert die täglichen Aktivitäten und erkennt eventuelle Anomalitäten wie das Blockieren oder das Abstürzen einer App oder Webseite. So können wir sofort eingreifen, sobald ein Problem entsteht.”

Für einen Laien sind solche Prozesse nur schwer nachvollziehbar. Wie kann man sich das vorstellen?

“Nehmen wir als Beispiel eine einfache App. Beim Benutzen stürzt das Programm ab. Wir bekommen die Fehlermeldung und kontaktieren den Nutzer oder den Entwickler der App. Sollte sich der Fehler bei mehreren Nutzern wiederholen, werden die Daten im Dashboard gesammelt und es entsteht ein roter Faden, anhand dessen wir die Ursache des Problems ableiten können.”

Catchsolg

Nun ist Ihr Start-up hier im NOI Techpark untergebracht, offiziell seit Juni 2020. Bevor Sie sich dafür entschieden haben, dieses Projekt ins Leben zu rufen, was haben Sie beruflich gemacht? Welchen Bildungsweg haben Sie beschritten?

“Ich bin Softwareentwickler. Das Schreiben neuer Programme zieht sich durch meinen ganzen Lebenslauf, sowohl während meines Studiums als auch während meiner beruflichen Laufbahn. Direkt nach dem Studium habe ich in der Softwareentwicklung gearbeitet, vor zehn Jahren habe ich mich in diesem Feld selbstständig gemacht. Daher rührt auch mein Auge für Bugs. Fehlerfunktionen rauben einem bei der Arbeit viel Zeit und Nerven. Da gehen Stunden verloren. Daher wollte ich einen Weg finden, wie Fehlerbehebungen weniger zeitaufwendig abgewickelt werden können. Auch weil die Digitalisierung voranschreitet und immer mehr Unternehmen und Personen von digitalen Tools abhängig sind. Diese Tools müssen durchgehend funktionieren.”

Sind Unternehmen, die digitale Dienstleistungen anbieten, nicht auch darauf getrimmt, Fehler sofort zu identifizieren?

“Tatsächlich werden viele Fehlfunktionen zunächst nicht wahrgenommen, auch nicht von den Anbietern. Oft ist es ein Kunde, der den Dienstleister darauf aufmerksam macht. Das will man natürlich vermeiden, zumal es nicht effizient ist und einfach schlecht aussieht. Viele Kunden melden zudem nicht immer gleich ein Problem. So herrscht es weiterhin vor und der Kunde könnte die Qualität des Produkts anzweifeln. Und dann tritt die Fehlfunktion bei einem weiteren Nutzer auf, dann noch einen und so weiter. So riskiert man, Kunden zu verlieren. Mit unserer Lösung geben wir den Dienstleistern die Möglichkeit, direkt selbst auf Fehler aufmerksam zu werden und diese unmittelbar zu beheben. Darin liegt der innovative Aspekt dieser Software. Und deswegen sind wir auch ins Inkubationsprogramm von NOI Techpark aufgenommen worden.”

Die Innovation liegt also nur in diesem kleinen Detail?

“Die Innovation liegt im ganzheitlichen Angebot. Wir bieten automatisierte Fehleridentifikation an, aber auch der Service gehört dazu. Das Problem zu finden ist nur die halbe Miete, wir müssen es auch lösen. Und da setzt der Service an. Sollte der Kunde nicht im Stande sein, den Fehler aus welchem Grund auch immer zu beheben, können wir mit unserer langjährigen Erfahrung in diesem Bereich helfen.”

Gestatten Sie mir als Laien dazu bitte eine Frage: Wie kann so ein Bug auftreten? Einer Software liegt doch ein Code zugrunde, der einer genauen Logik folgt. Stimmt die Logik nicht, funktioniert das Programm nicht. Wie kann es sein, dass eine Software zunächst funktioniert, irgendwann dann aber abstürzt oder sich blockiert? Der Code bleibt ja immer der gleiche.

“So einfach ist es leider nicht. Bugs können aus zwei Gründen auftreten, einer davon ist eine fehlerhafte Programmierung. Programmieren ist eine hochkomplexe Angelegenheit, pure Mathematik. Ein PC kann das, was du geschrieben hast, nicht interpretieren und danach handeln. Was hier steht, wird so gemacht …”

Ein Aspekt, bei dem Machine Learning und KI Abhilfe schaffen sollten …

“Sicherlich, der Bereich entwickelt sich täglich weiter. Schon heute gibt es Tools, die einem beim Programmieren helfen und gegebenenfalls „nachfragen“, ob man das schon so machen will, wie es gerade gemacht wurde. Nichtsdestotrotz ist es immer der Mensch, also der Programmierer, der das letzte Wort hat.”

Ok, und was wäre der zweite Grund, wieso eine Software nicht funktioniert?

“Wenn die Software einen Prozess abwickeln muss, der vom Programmierer nicht vorgesehen wurde. Die Software kennt diesen Prozess nicht. Anstatt aber weiterzuarbeiten, reagiert das Programm mit einem Absturz. Wenn man so will, trifft das Programm eine Präventivmaßnahme. Beispielsweise könnte der normale Prozess die Gleichung 5 dividiert durch 3 vorsehen. Nun muss aber 5 mit 0 geteilt werden. Das ist eine nicht durchführbare Operation. Der Programmierer hat diese Eventualität aber nicht vorausgesehen und im Programm nicht implementiert, wie es mit 5 geteilt durch 0 umgehen soll. Daher stoppt das Programm einfach.”

Und sendet die Fehlermeldung an das Dashboard von CatchSolve.

“Ganz genau.”

 

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