Konzeptkunst: Antonio Dalle Nogare Stiftung lädt zu einer Reise durch immaterielle Kunst

Andreas Inama
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Das Schaffen rückt in den Hintergrund, das Objekt und seine Umgebung soll die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich ziehen. So lässt sich ganz grob das Prinzip hinter der Konzeptkunst der 60er-Jahre zusammenfassen. Um diese etwas unkonventionelle Art und Weise, Kunst zu erleben und zu erfahren, lädt die Antonio Dalle Nogare Stiftung zu einer Reise in die Welt des US-Amerikaners Robert Barry; in eine Welt unhörbarer Radiowellen, Aktionen mit Edelgasen oder Installationen mit radioaktivem Material.

Robert Barry: Aushängeschild der Konzeptkunst

Beyond, Instead, Possible: Robert Barry und die Geburt der Konzeptkunst“ ist die erste von drei Aktionen, welche zwischen Juni und August in der Antonio Dalle Nogare Stiftung in Bozen stattfinden werden, um die Sammlung von Antonio Dalle Nogare der Öffentlichkeit zu präsentieren. Im Mittelpunkt dieser ersten Etappe steh Robert Barry, eines der Aushängeschilder der Konzeptkunst. Das Werk des New Yorkers prägt seine Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Fläche und Raum, die Wechselwirkung zwischen Negativ und Positiv sowie den Leerräumen, die der Betrachter mit seinen Gedanken seinen in Kunst umgesetzten Objekten beifügt.

Barry selbst ist in der Bronx in New York City aufgewachsen. Daher scheint es nicht von allzu weit hergeholt, dass der inzwischen 84-Jährige seine Muse in dieser Kunstbewegung, die die Entmaterialisierung des Kunstwerks und das Miteinbeziehen der Gedankenwelt des Betrachters in den Vordergrund stellt, gefunden hat. Immerhin galt und gilt der Big Apple auf internationaler Ebene als geistiges Zentrum der Konzeptkunst.

Radioaktives Material und Edelgase

Der Künstler arbeitete schon mit radioaktiven Materialien und Edelgasen, das Ergebnis waren Aktionen mit den klingenden Namen Inert Gas Series und Radiation Pieces. Eine weitere Aktion beinhaltete das zeitlich begrenzte Beschallen der „Betrachter“ mit unhörbaren Radiowellen, um mehr deren Status als Objekt denn als physikalische Größe hervorzuheben. Generell versucht Barry, physikalische Grenzen zu überwinden und die Auseinandersetzung mit dem Unbekannten und dem nicht Wahrnehmbaren zu fördern.

Eine Sicht auf die Kunst, die auch den Kunstförderer Antonio Dalle Nogare seit seinen frühen Zwanzigern fasziniert. Über die Jahre hat sich Dalle Nogare eine umfangreiche Kunstsammlung mit Werken aus Konzeptkunst und Minimal Art angeeignet. Zwei Kunstströmungen, die besonders die soziokulturell Turbulenten 60er- und 70-Jahre vermitteln und erzählen. Daher ließ der Kunstliebhaber 2011 in Bozen ein Privatmuseum errichten, das gleichzeitig auch sein privater Ansitz ist, an dem nicht zuletzt Robert Barry mit einer Installation an den Glasfassaden mitgewirkt hat. Schließlich folgte 2018 die Gründung der Stiftung.

Das Programm

Die Geschichte von der Geburt der Konzeptkunst wird am 6. Juni 2020 um 11:00 Uhr in der Stiftung Antonio Dalle Nogare erzählt. Dabei werden unter anderem drei Werke Robert Barrys aus der Sammlung analysiert: ein Gemälde, ein immaterielles Werk aus der Psychic Series und eine ortsspezifische Installation, die speziell für die Bibliothek der Stiftung entworfen wurde.

Gleich nach der Spezialführung wird dem Publikum der Film „troublemakers |The story of Land Art“ gezeigt, der die während der Führung behandelten Themen wieder aufgreift.

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