"Hotel Masatsch" schließt nach zwölf Jahren endgültig

Andreas Inama
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Zwölf Jahre gelebte Inklusion, zwölf Jahre Vorzeigemodell für soziale Gerechtigkeit – nun schließt nach zwölf Jahren das Hotel Masatsch in Oberplanitzing/Kaltern der Südtiroler Lebenshilfe für immer seine Pforten. Das Hotel, das schon seit jeher mit einem „großen finanziellen Aufwand“ von der Südtiroler Lebenshilfe betrieben wird, wird nach der Wiedereröffnung der Beherbergungsbetriebe am 25. Mai weiterhin geschlossen bleiben. Laut einem Post, der am Montagnachmittag auf der Facebook-Seite der Südtiroler Lebenshilfe veröffentlicht wurde, sei der „Grund für die Schließung […] Budgetprobleme, die sich mit der aktuellen Covid-19-Krise in einem Maß zugespitzt haben, dass die Kosten für die Führung des Hotels trotz Unterstützung der Autonomen Provinz Bozen nicht mehr gestemmt werden können.“

Seit 2008 geöffnet – bis zu 12.000 Übernachtungen im Jahr

Das „Inklusionshotel“, wie es auf der hauseigenen Website bezeichnet wird, war ein barrierefreies Hotel für und mit Menschen mit Beeinträchtigung. Seit 2008 beherbergte es Gäste aus ganz Europa und lockte die Touristen mit einem Angebot, das so in Südtirol einzigartig ist: So ist das Hotel nicht nur konzipiert, dass sich Menschen sowohl mit Behinderung motorischer und kognitiver Natur als auch mit Sehbeeinträchtigung gefahrlos bewegen können – es befindet sich zudem in der Nähe von Südtirols Sommerurlaubszielen Nummer eins, dem Kalterer See. Laut eigenen Angaben verzeichnete man bis zu 12.000 Übernachtungen im Jahr. Doch nun ist die Geschichte dieses außergewöhnlichen Ortes zu Ende geschrieben.

Nicht nur Corona wird zum Verhängnis

Nicht nur die Coronakrise hat dazu beigetragen, dass das Hotel in dieser Form nicht mehr weitergeführt werden konnte. Das Hotel hatte ganzjährig geöffnet, auch wenn Kaltern während der Wintersaison nicht jene Anziehungskraft ausstrahlt, die der Gemeinde während der Sommermonate Touristen aus ganz aus Europa beschert. Außerdem war das Konzept äußerst kostenaufwendig. Zwar wurde „zum Zweck der Kostendeckung […] unter anderem das Restaurant erweitert und neue Zimmer dazugebaut, doch das Ziel der kostendeckenden Führung konnte trotz aller Bemühungen nie erreicht werden“. Unter anderem sei das auch auf „die hohen Abschreibungskosten auf die durch Eigenmittel getätigten Investitionen in ein nicht im Besitz der Lebenshilfe befindliches Gebäude“ zurückzuführen.

Nichtsdestotrotz kann die Ausnahmesituation als Gnadenstoß betrachtet werden: Wie der Geschäftsführer der Südtiroler Lebenshilfe, Wolfgang Obwexer, gegenüber Dolomiten bereits bestätigte, betrage das seit der Schließung aufgrund von Covid-19 angehäufte Defizit schon 230.000 Euro.“ Dabei sind die Stornierungen der Sommermonate noch gar nicht eingerechnet.

Solidarität auf den sozialen Medien

Schon in den Tagen zuvor haben sich die Anzeichen verdichtet, dass das Hotel finanziell nicht mehr tragbar wäre. Parallel dazu haben sich zahlreiche Personen des öffentlichen Lebens, darunter Grünen Obfrau Brigitte Foppa in einem gemeinsamen Post mit mehreren Parteimitgliedern, für eine Weiterführung des Hotels ausgesprochen und öffentlichkeitswirksam zur Solidarität aufgerufen. Auch Mitarbeiter versuchten mit einem letzten Aufruf unter dem Motto „Rettet Masatsch“ in den sozialen Medien für Unterstützung zu werben; genauso wie die SVP Kaltern über die JG Kaltern und Süd-Tiroler Freiheit. Durch die Schließung verliert Südtirol nicht nur ein Vorzeigeprojekt, das seinesgleichen sucht – 30 Mitarbeiter verlieren gleichzeitig ihren Arbeitsplatz.

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